Herrenhaus LübbenowUckermark
Herrenhaus Lübbenow von der Gartenseite

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Sieben Jahrhunderte
Lübbenow

Zuerst ein Rittergut, dann ein Künstlersalon, beinahe eine Ruine, danach vierundfünfzig Jahre lang eine Schule. Die Geschichte des Hauses ist erstaunlich unfeierlich.

1301

Ein Name in einer Anklamer Urkunde

Lübbenow taucht 1301 zum ersten Mal in den Akten auf. Ein Hermannus de Lubbenow wird darin als Konsul in Anklam geführt. Das Dorf existierte da bereits, das Gut prägte es über Jahrhunderte stärker als die Bauern, die daneben wohnten.

Das heutige Gebäude beginnt 1738 als Barockbau. Seine bis heute sichtbare Gestalt bekam es erst im 19. Jahrhundert.

Gartenseite des Herrenhauses Lübbenow mit neun Fensterachsen, Mittelrisalit und Freitreppe
Neun Fensterachsen, Mittelrisalit, Walmdach. Die Ordnung des Klassizismus.

1812 bis 1826

Die von Stülpnagel bauen um

Unter der Familie von Stülpnagel, später von Stülpnagel-Dargitz, wurde aus dem Barockhaus ein Vertreter des ländlichen preußischen Klassizismus. Zweigeschossig, verputzter Ziegel, neun Fensterachsen, dazu ein durchfenstertes Sockelgeschoss und ein Walmdach.

Der Mittelrisalit trägt Spitzbogenportale und kreisrunde Fensteröffnungen. Diese Formen tauchen im ganzen Haus wieder auf, in Türbögen, in den Fächerfenstern der Dachgauben, in der Halle.

Zwischen 1923 und 1927 erweiterten Wolff und Alexander von Stülpnagel das Gebäude erheblich. Damals entstand die halbrunde Seeterrasse, von der aus man direkt in den Park und ans Ufer gelangt.

Die 1920er

Als Berlin nach Lübbenow kam

Eine Dame der Berliner Gesellschaft machte das Herrenhaus zu einem Künstlersalon, der weit über die Uckermark hinaus bekannt war. Literaten, Maler und Intellektuelle trafen sich hier.

Mai 1945: die verhinderte Sprengung

Die Rote Armee hatte die Sprengung des Gebäudes bereits vorbereitet. Es waren die Lübbenower selbst, die sich lautstark dagegen stellten und damit durchkamen. Wenige Wochen später zogen die ersten Flüchtlinge ein.

1951 bis 2004: Schulhaus

Über fünf Jahrzehnte war im Herrenhaus eine Gesamtschule untergebracht. Aus dieser Zeit stammt die Sporthalle, die heute zum Ferienobjekt gehört. Zum Schuljahresende 2004 ging der Unterricht zu Ende.

2005 bis 2007: Sanierung

Nach der Wende wurde das Gut privatisiert und anschließend denkmalgerecht saniert. Dabei entstanden die heutigen Bäder, die Großküche und der Wellnessanbau. 2012 wurde die Fassade erneuert. Im Volksmund heißt das Haus auch Schloss Lübbenow.

Zahlen aus dem Kaiserreich

Gutsbezirk gegen Dorf

Lange lebten in Lübbenow zwei Gemeinwesen nebeneinander: das Rittergut und die kleine Zivilgemeinde. Die Volkszählungen zeigen, wie ungleich das Verhältnis war.

Einwohner der Zivilgemeinde und des Gutsbezirks Lübbenow
ZensusjahrZivilgemeindeGutsbezirkGesamtWas dahintersteckt
187133200233Fünf Häuser bilden das Dorf, 36 Haushalte gehören zum Gut.
189535205240Das Zivildorf wächst nicht weiter.
um 1900aufgelöstca. 240ca. 240Die Gemeinde geht im Gutsbezirk auf.
1928ca. 240aufgelöstca. 240Die preußische Landreform kehrt das Verhältnis um.

Angaben nach den preußischen Volkszählungen, gerundet.

Steinerner Löwe auf der Balustrade im Park des Herrenhauses Lübbenow

Heute

Ein Denkmal, das benutzt wird

Häuser dieser Größe überleben selten als Museum. Lübbenow hat den umgekehrten Weg genommen: Es wird bewohnt, bekocht, bespielt. Kinder rennen über die Dielen, im Saal wird getanzt, in der Halle fliegen Bälle.

Wer sich für Baugeschichte interessiert, findet trotzdem genug: originale Türen, alte Beschläge, Stuck, die Empore im Saal und den Blick von der Seeterrasse, den schon die Stülpnagels hatten.